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Ein Zettelkasten

Blogs in Deutschen Printmedien – Zeitverlauf und archäologische Notizen

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Ein erstes, eher profanes, wissenschaftlich anspruchsloses, dennoch interessantes Ergebnis. Die Nennung von Blogs (genauer: siehe unten) in Deutschen Meinungsführer-Printmedien.

Es wurde recherchiert in: taz, Süddeutsche Zeitung, Welt & Welt am Sonntag, Der Spiegel, Focus, ZEIT – alle über Lexis-Nexis sowie FAZ und FAS über das FAZ-Archiv.

Gesucht wurde nach:

blog ODER blogs ODER weblog ODER weblogs ODER blogosphäre ODER blogger ODER Internet-Tagebuch

Da scheint mir doch für die weitere Analyse der Inhalte eine Stichprobe sinnvoll…

Die Werte sind sicher auch nicht sonderlich spektakulär; überrascht hat mich jedoch der starke Anstieg von 2008 auf 2009, nachdem ich davon ausgegangen bin, dass sich bis dahin alle Journalisten am medialen Phänomen abgearbeitet hatten. Hypothese: Blogs werden in jüngster Zeit nicht mehr als mediales Phänomen thematisiert, sondern ganz selbstverständlich als Quelle genannt. Wir werden sehen…

Ein Wort noch zu den verschwindend geringen Werten bis 2002: Bis ins Jahre 2000 basieren sämtliche Treffer auf dem Suchbegriff “Internet-Tagebuch”, was kein Wunder ist, da der Begriff “Weblog” erstmals im Jahre 1997 benutzt wurde. In den meisten dieser frühen Artikel geht es um Rainald Goetz’ “Abfall für alle”.

Der erste Artikel aus oben genannter Datenbasis, in dem der Begriff “Weblog” benutzt wird, wurde von Harald Staun verfasst und erschien in der Süddeutschen Zeitung vom 30. November 2000. Es geht darin keineswegs um Nine-Eleven oder andere Ereignisse, die gemeinhin als Initialzündung für Blogs gesehen werden, sondern um die Konstruktion von Medienimages. Interessanterweise beinhaltet Stauns Text bereits den leicht ironisch-herablassenden Skeptizismus, der in den folgenden Jahren für so manchen Zwist zwischen Blogosphäre und traditionellem Journalismus sorgen wird:

Ob die Wirklichkeit ueberhaupt noch jemanden interessiert ist dabei mindestens so ungewiss wie die Frage, wo sie denn zu finden sei. Andersens Kritik* der Medienkritik ist naemlich natuerlich eher noch einen Schritt weiter entfernt von den “echten” Problemen der Gesellschaft als diese selbst. Es ist ja fast schon eine banale Erkenntnis, dass sich Texte immer nur auf andere Texte beziehen, dass Medien nur ueber sich selbst berichten. Schon lange vor Big-Brother klagte Michel de Montaigne: “Es gibt mehr Buecher ueber Buecher als ueber irgend einen anderen Gegenstand. Wir tun nichts anderes, als uns gegenseitig mit Anmerkungen zu versehen. ” Natuerlich offenbart sich das Wesen des Kommentars, das jeder Text beinhaltet, am besten im Internet. In der Form der so genannten Weblogs, einer Art digitaler Tagebuecher, die Artikel und andere Weisheiten kommentieren und verlinken, ist diese Praxis am deutlichsten zu erkennen.

*Staun bezieht sich auf einen leider nicht mehr auffindbaren Beitrag des Medienwissenschaftlers Robin Andersen für mediachannel.org. Heute ist Media Channel 2.0 ein Konglomerat aus kollaborativem Blog und Social Network.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Blogs [metadiskussion] | Alltag Medienzukunft

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