synapsenschnappsen

Ein Zettelkasten

Kategorie: text (Seite 1 von 2)

Update: Nach den Buchhändlern erwischt es jetzt die Journalisten

Berufsprestigeskala: Nachdem es die Buchhändler inzwischen gewohnt sind, erwischt es jetzt die Journalisten.

Es ist so traurig. Aber schön, dass das Journalistik-Blog auf die methodischen Probleme aufmerksam macht. Wie bereits angemerkt sieht das in der Buchhandels-Fachpresse anders aus.

Die unbeliebten Buchhändler

Das Institut für Demoskopie Allensbach veröffentlicht alle drei, vier Jahre die Ergebnisse einer Umfrage, die im Buchhandel regelmäßig zu Schnappatmung führen.

Die Berufsprestige-Skala wird seit 1966 erhoben und seit der ersten Erhebung sind zwei Dinge gleich geblieben: Der Ärtzeberuf führt die Liste an und der Buchhändler schließt sie auf einem der letzten Plätze schwankend ab.

allensbach2011

Bereits bei der Veröffentlichung der letzten Befragung 2008 hatte ich eine Mail an Allensbach geschrieben, mit der Bitte mir zu erklären, was denn der Buchhändler (damals noch auf dem letzten Platz) in einer Liste verloren hat, die überwiegend aus akademischen und sozialen Berufen besteht.

Der Projektleiter Dr. Edgar Piel hatte mit damals erklärt [Kommentar #5], dass das IfD in den 60er Jahren sehr viel Buchmarktforschung für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels betrieben hatte und wahrscheinlich deshalb der “Buchhändler” mit auf die Liste kam. Ein sehr erhellendes Interview mit Piel hat BuchMarkt im April 2008 geführt; dort werden eigentlich alle Missverständnisse aufgeklärt (Nein, es liegt nicht daran, dass die Befragten “Buchhändler” mit “Buchhalter” verwechseln, wie andernorts vermutet wird.)

Es ist natürlich ärgerlich, dass die mediale Wiedergabe des Rankings dies nicht sehr differenziert beurteilt. Dass allerdings das Branchenblatt des Buchhandels, dass bereits 2008 mit der reißerischen Headline “Buchhändler bleibt Schlusslicht” titelte, sich nicht entblödet, dieses Jahr den Triumph über Fernsehmoderatoren, Banker und Politiker abzufeiern, sorgt bei mir für Kopfschütteln.

Fassen wir zusammen:

  • “Buchhändler” ist einer der 18 prestigeträchtigsten Berufe.
  • “Buchhändler” ist neben dem “Unternehmer” (?) der prestigeträchtigste kaufmännische Beruf.
  • “Buchhändler” ist einer der prestigeträchtigsten Berufe, die weder dem sozialen Bereich zugeordnet werden können, noch einen akademischen Abschluss voraussetzen.

Und jetzt erklär mir bitte jemand, was die Handwerker da oben machen!

Social Media Weinmarketing [Teil1]

Dies ist eine erste flüchtige Ideensammlung, ursprünglich begonnen aus persönlichen Interesse. Inzwischen glaube ich aber, dass die Weinbranche nicht nur exemplarisch zu betrachten ist für den Erfolg von Social Media in Nischenbranchen. Mir ist keine andere Branche bekannt (das kann durchaus selektive Wahrnehmung sein! Modelleisenbahner? Schachspieler? Antiquariate? Anyone?), in der der immer wieder proklamierte Nerd-Faktor des (Social) Webs, so sehr von “normalen”, nicht unbedingt IT-affinen Personen und Institutionen konterkariert wird, wie in der Weinszene.

Hinzu kommt, dass gerade der Mittelstand, zu dem ich große Teil der Winzer, vor allem: große Teile der im Social Web aktiven Winzer, zähle, nicht unbedingt berühmt ist für ausgeprägte Internet-Affinität.

Sensation: Im Internet wird über Riesling kommuniziert!

Bereits 2009 hat das Social Media Monitoring Unternehmen ethority eine “Weinstudie” publiziert, die “Weine und Winzer in Social Media analysiert.

Das Beeindruckende an der Kurzstudie ist, dass sie alle interessanten Fragestellungen ausblendet und einzig mit der faszinierenden Erkenntnis reüssiert, dass im “Social Wine Web” am häufigsten über Rebsorten (1. Riesling 2. Spätburgunder) und Anbaugebiete (Pfalz und Mosel vor Rheingau, Rheinhessen und Baden) kommuniziert wird. Wow. Toll.

Wine Long Tail

Zurück zu den spannenderen Themen, die in diesem Fall Vermarktung über Social Media im Long Tail heißen. In diesem Fall meine ich mit dem Long Tail die Vermarktung von Produkten, die ein verhältnismäßig kleines Zielpublikum haben. Das bietet sich an für a) emotionalisierende Produkte und b) personalisierende Produkte, die zu einem Prozentteil auch über Charisma, Selbstdarstellung, etc. des Produzenten vermarktet werden (können).

Dies hat die junge Winzergeneration erkannt. Kaum einer der “jungen, wilden” Nachwuchswinzer, die neben der privaten Nutzung inzwischen auch professionell bei Facebook, Twitter & Co. aktiv sind.

Generation Social Web

Sehr eindrucksvoll erkennbar bei der JungwinzerInnenvereinigung “Generation Riesling”: Ein Blick auf die Winzerportraits zeigt, dass ein Großteil der Winzer bereits über Facebook und/oder Twitter vernetzt ist.

Dies gilt auch für die Organisationsstrukturen. Die “Generation Riesling” beispielweise verfügt über eine Facebook-Gruppe und über einen Twitter-Account. Das hat auch Auswirkung auf das Verbandsmarketing: Die Website der “Generation Riesling” wird betrieben vom Deutschen Weininstitut in Mainz (natürlich: Facebook, Twitter), das wohl auch für die Pflege der SM-Accounts zuständig ist.

So ein geiler Scheiß

Die Art der Kommunikation ist (im besten Fall) meilenweit entfernt  a) vom üblichen Pressemitteilungsgeseier und b) von betulich-spießiger “laden wir Sie ganz herzlich ein”-Rhetorik.

Als Beispiel dient mir hier die Facebook-Seite des Pfälzer Jungwinzers Lukas Krauß. Hier wurde erkennbar kein Social Media Berater engagiert; hier verschwimmen private Kommunikationsformen und authentisches Ego-Marketing.

krauss01

Die traditionelle Website von Krauß dient nur noch als – sehr schicke – Visitenkarte; jegliche Kommunikation findet über Facebook statt, auch das für Winzer nicht unbedeutende Eventmanagement.

krauss02

Geisenheim 2.0

Das haben inzwischen auch die Ausbildungsstätten erkannt. Der Campus Geisenheim, mit dem Studiengang Weinbau- und Getränketechnologie Brutstätte vieler deutscher Winzer, bloggt nicht nur selbst, sondern lehrt inzwischen auch Web 2.0 (verstörend: eine akademische Institution, die ausgiebig Wikipedia-Artikel zitiert). Das wirkt in Teilen noch etwas holprig und zeigt, dass das Publizieren im Web 2.0 auch erstmal trainiert werden muss; vielleicht auch, dass nicht jeder dafür gemacht ist, aber das gilt für Studierendenblogs journalistischer Ausbildungsstätten ganz genauso. Auch die Weiterbildungsangebote der offiziellen Verbände wirken neben der faktischen Realität leicht antiquiert: Wer im Jahr 2010 die Formulierung “Internettagebücher, so genannte Blogs” benutzt, erweckt den Eindruck, einem Trend hinterherzuhecheln, der für einen kleinen Teil der Branche bereits Alltag ist.

Soviel zu Teil 1 dieser Reihe. Ausschlaggebend für mich, diese Gedanken endlich einmal zu verschriftlichen, war die inzwischen “berüchtigte” Bundespressekonferenz, in der sich die gesammelte Ratlosigkeit der journalistischen Zunft gegenüber dem Social Web manifestierte.

Ausblick

Folgende Bereiche hoffe ich in Zukunft noch etwas ausführlicher zu thematisieren:

Gefahren der Social Media Kommunikation: Abkapselung; Elite-TeeWeinkränzchen, die mit den Bedürfnissen des “normalen” Weinkonsumenten nichts mehr zu tun haben; Kommunikation in “Walled Gardens”, die von Suchmaschinen nicht mehr gefunden werden

Gefahren für das Ausbleiben von Social Media Kommunikation: Suchmaschinenverödung für Winzer, Gemeinden, etc. die nicht aktiv sind. Beispiel: Die jährliche Veranstaltung “Schwabenheimer Weinsommer” der Winzer der gleichnamigen Gemeinde in Rheinhessen. Eine tolle Veranstaltung, die kaum ein Auswärtiger kennt. Die ersten paar Suchtreffer, die NICHT aus einem Verbandsterminkalender kommen, beziehen sich alle auf Veranstaltungen vergangener Jahre; sämtliche Social Media Inhalte sind im wahrsten Sinne des Wortes “user generated”, nämlich von Besuchern der Veranstaltung generiert (Wobei die Tatsache, dass die Veranstaltung dieses Jahr am Osterwochenende stattfindet, darauf schließen lässt, dass beim Schwabenheimer Marketing einiges im argen ist…)

Weinsommer Schwabenheim Direktlink

Weinjournalismus im Social Web: Traditionelle Weinjournalisten als Social Media Kommunikatoren; neue Weinjournalisten, wie Winzer Dirk Würtz, der für jeden freien Journalisten ein Beispiel ist, wie Ego-Vermarktung im Social Web funktionieren kann; es heißt immer wieder, dass Blogs in Deutschland deshalb verhältnismäßig unpopulär sind, weil die traditionellen Medien so qualitativ hochwertig sind (im Vergleich zu anderen Ländern) – lässt sich diese Hypothese für die deutsche Weinbranche umkehren?

Fröhliche Interessensvermischung: In den gängigen Kanälen kommunizieren Winzer, Weinjournalisten, Weinhändler, Sommeliers munter umher.  Jede dieser Gruppen hat natürlich unterschiedliche Interessen. Was bedeutet das für die Glaubwürdigkeit, für die Beziehungen, für die Außenwahrnehmung und (haha!) für den Umsatz?

Bis zum nächsten Mal.

Termin steht: Gisbert zu Knyphausens Heimspiel 2011

IMG_4276Im elterlichen Weingut Baron zu Knyphausen in Eltville-Erbach am 21.Juli 2011 wird das traditionelle “Heimspiel” stattfinden.

Unten ein Video aus dem letzten Jahr, das ganz gut die Atmosphäre einfängt.

Weiterlesen

Twitter Analyse Tools – eine Auswahl

Nein, dies gibt nicht die x-te Liste, die sämtliche Twitter Analyse Tools aufzählt.

Ich stelle hier lediglich Tools vor, mit denen ich tatsächlich in der Praxis gute Erfahrungen gemacht habe.

Hauptgrund für die Erstellung dieser Übersicht war, dass ich aufgrund der Namensähnlichkeit der meisten Dienste (Willkommen in der Wortspielhölle!) ständig deren Funktionen verwechsle.

Zu den meisten der genannten Tools gibt es wahrscheinlich fünf weitere Dienste, die das Gleiche können. Letztlich eint all diese Werkzeuge, dass sie die Twitter-API abgreifen und analysieren. Alleinstellungsmerkmale ergeben sich lediglich durch:

  • die Kreativität in der Berechnung von Metriken
  • die Darstellung der Ergebnisse, Charts, Listen, etc.
  • die Zusatzfeatures, wie RSS Feeds, Mail-Alerting, Widgets, etc.
  • die Zusatzinformationen, wie z.B. dem zusätzlichen Abgreifen einer Link-Shortener-API

Einzig die unten genannten Verzeichnisse enthalten einen Mehrwert dadurch, dass man sich aktiv dort eintragen muss. Dies ist für die Analyse nicht unbedingt von Vorteil.

Ich habe mich mit der Ausnahme von Backtweet/Backtype auf Dienste beschränkt, die entweder komplett kostenfrei sind oder bereits in der „Lite“-Version sinnvolle Auswertungsmöglichkeiten bieten. Außerdem verzichte ich auf Dienste, die eine OAuth-Twitter-Authentifizierung benötigen.

User-zentrierte Dienste:

Tweetstats

Analysiert das Twitter-Verhalten eines Accounts:

  • Anzahl der Tweets im Zeitverlauf (Datum, Uhrzeit)
  • Welche User wurden am häufigsten retweetet bzw. zu welchen User gibts es die häufigsten Replies?
  • Textcloud und Hashcloud für Tweets
  • Anzahl der Friends und Follower

Twitter Analyzer

Analysiert das Twitter-Verhalten eines Accounts mit unzähligen Metriken, die in die momentan vier Bereiche ‚User‘, ‚Friends‘, ‚Mentions‘ und ‚Groups‘ eingeordnet sind:

Im Bereich ‚User‘:

  • Welche User wurden am häufigsten retweetet bzw. zu welchen User gibts es die häufigsten Replies?
  • Textcloud und Hashcloud für Tweets
  • Anzahl der Friends und Follower
  • Weitere Analyseeinheiten: Tweets, Chats, Popularity, Reach, Subjects, Hashtags, Links, Apps

Im Bereich ‚Friends‘ wird die Vernetzung durch Followers und Friends analysiert; im Bereich ‚Mentions‘ aktive und passive Erwähnungen; im Bereich ‚Groups‘ die Zugehörigkeit zu Twitter-Listen.

Klout

Analysiert den Einfluss eines Twitter-Users mit Hilfe eines eigenen Score-Wertes.

Der Klout-Score errechnet sich laut Klout aus über 35 Werten, die in drei Kategorien ‚True Reach‘, ‚Amplification‘ und ‚Network‘ zusammengefasst werden. Klout beschreibt diese Kategorien wie folgt:

„True Reach is the size of your engaged audience and is based on the followers and friends who actively listen and react to your messages. Amplification Score is the likelihood that your messages will generate actions (retweets, @messages, likes and comments) and is on a scale of 1 to 100. Network score indicates how influential your engaged audience is, also on a scale of 1 to 100. The Klout score is highly correlated to clicks, comments and retweets.“

Der Klout-Score wird zunehmend ernst genommen. So gibt es bereits Engagement-Tools wie Hootsuite, die den Klout Score in ihrer Anwendung anzeigen. Klout hat Ende 2010 angekündigt, einen Influence-Score für Facebook zu entwickeln.

Lesenswert: 4 Ways Klout Can Evolve [ReadWriteWeb, 22.12.2010]

Twitter Grader

Auch dieser Dienst sammelt die üblich verdächtigen Metriken ein und generiert einen Einfluss-Wert, genannt ‚Grade‘. Dieser setzt sich zusammen aus den Faktoren ‚Number of Followers‘, ‚Power of Followers‘, ‚Updates‘, ‚Update Recency‘, ‚Follower/Following Ratio‘ und ‚Engagement‘ (vgl. hier). Mit Hilfe dieses Grades gibt Twitter Grader vier Top-Listen aus: Top Users, TopWomen, Top Brands und Top Cities.

Content-zentrierte Dienste

Tweetmeme

Tweetmeme analysiert die am häufigsten getwitterten Links und erstellt Top-Listen der gerade „heissesten“ Sites. Dies lässt sich zeitlich kategorisieren (‚most recent‘, ‚Top in 24 Hours‘, ‚Top in 7 days‘), thematisch (‚Comedy‘, ‚Entertainment‘, ‚Gaming‘, ‚Technology‘, etc.) sowie nach Medienart (‚News‘, ‚Images‘, ‚Videos‘).

Interessant: Die Technologie von Tweetmeme lässt sich von Unternehmen einsetzen, um deren Social Media Output zu aggregieren; siehe: Toyota Conversations

Backtweets

Analysiert URLs, die auf Twitter verlinkt wurden. Zeigt nach Eingabe einer URL die dorthin verlinkenden Tweets. Im kostenpflichtigen Pro Account werden auch User-Metriken angezeigt. Dort verspricht Backtweets auch einen Influence Score. Backtweets gehört zu Backtype, die eine ebensolche Referenzanalyse für Facebook, Kommentare, Klicks und Social Bookmarks anbieten. Kostenpflichtig.

Trendistic

Trendistic analysiert Keywords nach dem Zeitverlauf ihrer Erwähnung. Angezeigt wird ein Trendchart und die letzten Tweets die das Keyword enthalten. Die Anzeige des Charts lässt sich über verschieden Zeiträume verändern (24 hours, 7 days, 30 days, 90 days, 180 days). Bei Klick auf einen Tag im Chart werden die Tweets dieses Tages angezeigt. Charts lassen sich statisch und dynamisch auf der eigenen Website einbinden.

twitt(url)y

generiert Listen, der aktuell am häufigsten getwitterten Sites und zeigt die zugehörigen Tweets an. Lässt sich filtern nach Sprache und nach verlinkter Medienart (News, Pics, Videos).

Über ‚Profiles‘ lässt sich recherchieren, welche Twitter-User auf welche Sites verlinkt haben.

Topsy

Topsy ist eine Suchmaschine für bei Twitter verlinkte Sites. Das heisst, das gewünschte Keyword wird nicht nur bei Twitter gesucht, sondern auch in Sites, die über Twitter verlinkt wurden. Die Ergebnisse lassen sich zeitlich und thematisch filtern sowie. In der thematischen Filterung gibt es die Möglichkeit nur in Tweets zu suchen, auf verlinkten Sites zu suchen, lediglich Fotos zu suchen sowie ‚Experts‘ zu durchsuchen. Für diese Expertensuche berechnet Topsy die Twitterer, die das gewünschte Keyword am häufigsten getwittert haben. Eignet sich hervorragend um relevante Twitterer für ein spezielles Keyword zu recherchieren. Sämtliche Results lassen sich als RSS Feed ausgeben.

Über die ‚Trending‘-Funktion lassen sich die aktuell meist getweeteten Sites ausgeben; dies lässt sich nach Sprache filtern.

Wefollow

Wefollow versteht sich als „Die Gelben Seiten“ für Twitter: Jedem (sich selbst anmeldenden?!) Twitter-User werden thematisch bis zu drei Schlagworte zugewiesen (Update: Man muss dies selbst bei der Registrierung tun!) . Durch die Anzahl der Follower wird dann eine Liste der „wichtigsten“ Twitterer pro Schlagwort generiert. In der Twitterer-einzelansicht werden alle vergebenen Schlagworte (plus der jeweilige Rang pro Schlagwort) dieses Twitterers sowie die üblichen Metriken angezeigt. Bei der Suche nach einem Schlagwort werden die Resultate nach „Most Influental‘ und nach ‚Most Followers‘ differenziert; wie Wefollow dies differenziert war für mich nicht ersichtlich.

Ähnlich aber lange nicht so gut: Twellow

Eine Kombination aus User-zentriertem und Content-basierten Dienst ist:

Twazzup

Twazzup ist in erster Linie eine Keyword-Suche. Die Ergebnisseite zeigt allerdings nicht nur gefundene Tweets, Links, News und Bilder an. Zusätzlich werden die Twitterer angezeigt, die das gesuchte Keyword kürzlich häufig benutzt habe. Die Darstellung dieser Profile lässt sich sortieren nach ‚Influencers‘ (Most followers/friends), ‚Most active‘ (Häufigkeit der Nennung des gesuchten Keywords durch den Twitterer) und ‚Latest‘. Somit lassen sich ad hoc Twitterer identifizieren, die eine gewisse Affinität zu einem Keyword haben. Dies gilt es aber mit Vorsicht zu bewerten: Es handel sich dabei um einen Schnappschuss des Augenblicks; erst eine längere Analyse muss zeigen, ob die dargestellten Twitter tatsächlich ein langfristiges Interesse an einem Thema haben. Für die erste Identifikation allerdings ganz gut geeignet. Die Ergebnisseite aktualisiert sich in Echtzeit.

[Filmnotiz] Inception

In der für mich eindrucksvollsten Sequenz in ‚Inception‘ von Christopher Nolan tauchen keine der vielgerühmten Special Effects auf.

Der Protagonist Dominic Cobb (Leonardo di Caprio) will die Traumarchitektin Ariadne (Ellen Page) anheuern. Beide befinden sich auf einem Hausdach in Paris, wo Cobb mit der Architektin eine Art „Einstellungstest“ durchführt.
Schnitt.
Sprung in eine andere Handlungsebene, die hier jetzt keine Rolle spielen soll.
Schnitt.
Cobb sitzt mit Ariadne in einem typischen Pariser Straßencafé. Sie unterhalten sich über die Architektur von Träumen und die Perfektion einer Traumarchitektur. Ariadne bezweifelt die Möglichkeit einer perfekten Traumillusion. Cobb stellt ihr im Gegenzug die Frage, wie sie an den Ort gekommen ist, an dem sie sich gerade befinden. Ariadne ist irritiert, weil sie bemerkt, sich tatsächlich nicht erinnern zu können, wie sie in dieses Straßencafé gelangt ist. Sie folgert korrekt, dass sich beide gerade in einem Traum befinden. Das gesamte Setting beginnt zu explodieren… (OK, jetzt: Special Effects galore!)
Auf der Erzählebene wird sich das Paradigma von Träumen zu nutze gemacht, sofort in die „Handlung“ zu springen, dass es keinen Beginn eines Traumes gibt.

Nolan gelingt mit dieser Montage eine enorme Irritation des Zuschauers, die aber nur deshalb gelingt, weil er die sozialisierten Filmgewohnheiten der Zuschauer untergräbt. Der Szenenwechsel in der ersten Handlungsebene ist für den Zuschauer ein völlig gewohntes Stilmittel des elliptischen Erzählens. Die Auslassung, wie Ariadne und Cobb vom Hausdach in das Straßencafé gelangt sind, ist für den Zuschauer irrelevant. Wir sind filmisch soweit geschult, dass wir diese Auslassung hinnehmen.
Die Irritation des Zuschauers entsteht nicht durch die Auslassung, sondern durch die Irritation Ariadnes über diese Auslassung.
Somit gelingt Nolan ein kleiner Exkurs über die Magie der Filmmontage. Wird die Aufmerksamkeit, Überraschung und Irritation des Zuschauers in der Regel mit einer Inszenierung erreicht, die den filmischen Erfahrungshorizont übersteigt (so auch generell in ‚Inception‘), gelingt Nolan mit der beschrieben Sequenz eine Irritation durch Untergrabung der gewohnten Sehgewohnheiten.

Nach einmaliger Sichtung des Films sind mir keine weiteren Beispiele für solch eine subtile Untergrabung der Sehgewohnheiten präsent. In der Regel bollert der Film eher mit Ausweitung der Sehgewohnheiten (besagte, viel beschriebene Special Effects). Gerade die Kameraarbeit erscheint mir aber eher konventionell: In der zweiten Hälfte des Filmes, wenn mehrere Handlungsebenen montiert werden, in denen die Zeit unterschiedlich schnell verläuft (!), hätte man sich sicher innovativere Formen der Darstellung überlegen können, als die Super-Zeitlupe, in der „langsamsten“ Zeitebene.
Dennoch zeigt die beschrieben Sequenz, dass Nolan auch nach ‚Memento‘ noch immer der große, kluge Zerstörer von Sehgewohnheiten durch unzuverlässiges Erzählen ist.

Hier gibt es eine Sammlung filmwissenschaftlicher Studien zu Nolan.

Relaunch Mainzer Rhein-Zeitung

Ein erster schneller Überblick des Relaunch der Mainzer Rhein Zeitung hat mich nicht gerade begeistert. Die Printausgabe konnte ich mir noch nicht anschauen, jedoch habe ich das neue, große Rot des Schriftzugs „Mainzer“ sofort mit den kostenlosen, wöchentlichen Anzeigeblättern assoziiert.

Auch die Website wurde gerelauncht. Die neuen Funktionalitäten konnte ich mir noch nicht anschauen, aber bereits der erste Blick hat mich entsetzt. Der direkte Vergleich der Landingpage mit der Konkurrenz von der Allgemeinen Zeitung Mainz in der noch immer weit verbreiteten Auflösung 1024×768 braucht wohl nicht weiter kommentiert zu werden:

Mainzer Rhein Zeitung vom 02.11.2010

Allgemeine Zeitung Mainz vom 02.11.2010

Von einem Verlagshaus, das für seine Modernität in Sachen Online- und Social Media-Kompetenz bekannt ist und diese Inhalte auch teils vorbildlich umsetzt, hätte ich mehr erwartet.

Update, 02.11.10 – 11:40 Uhr:

Ich habe mir jetzt einmal die für mich wichtigste Funktion einer Nachrichten-Website angeschaut, die Bereitstellung von RSS Feeds. Während die Konkurrenz unzählige thematisch und regional gefilterte Feeds anbietet, die sich einzeln abonnieren lassen, bietet die MRZ genau zwei Feeds an: Einen unnötigen, weltweiten Agenturticker und einen sogenannten „Regioticker aus dem RZ-Land“. Über den Nutzen eines regionalen Feeds, der das gesamte Verbreitungsgebiet der Rhein-Zeitung zwischen Koblenz, Eifel, Hunsrück, Westerwald, Nahe und Mainz abdeckt, mag man diskutieren. Über die Inhalte nicht:

Regioticker der MRZ am 02.11.10 - 11:40 Uhr

Disclaimer: Ich habe die AZ abonniert aber ansonsten mit keinem der beiden Verlagshäuser zu tun.

Was ist ein Blog? (II)

Gedankennotiz zu Robert Basics lesenswerten Artikel über die Evolution des Bloggens in Zeiten der zunehmenden Publikationsfragmentierung.

Blogs sind kein Medium, Blogs sind auch keine technischen Einheiten.

Blogs verkörpern eine Geisteshaltung: Die Bereitschaft des Autors miteinander kommunizieren zu wollen, die Bereitschaft sich verbessern zu lassen, die Bereitschaft ergänzt und korrigiert zu werden, die Bereitschaft, sich mit Kritik auseinander zu setzen.

Erst dann lassen sich erweiterte Social Media Phänomene einbinden und erst dann ist auch völlig egal, was ein Blog ist und ob es diesen Begriff in 10 Jahren noch geben wird.

Und erst dann hat Heribert Prantl recht:

„Es wird so getan, als sei die Bloggerei eine Seuche, die via Internet übertragen wird und den professionellen Journalismus auffrisst. Das ist, mit Verlaub, Unfug. In jedem professionellen Journalisten steckt ein Blogger. Der Blog des professionellen Journalisten heißt FAZ oder SZ, Schweriner Volkszeitung oder Passauer Neue Presse, Deutschlandfunk oder Südwestradio.“ [Süddeutsche Zeitung vom 19.07.2010]

Leider vorerst gr0ßteils nur in der Theorie.

Facebook Privacy Snafu – Zwei Accounts, zwei Optionen

Das ist die Privatsphären-Hauptseite von Facebook für zwei unterschiedliche Accounts, wobei der Untere neu erstellt wurde. Kann mir das irgendjemand erklären?


Walled Garden Vs. Freie Technologie: Facebook Vs. RSS

Was mich am meisten ärgert ist gar nicht das Dauerthema Privacy. Viel schlimmer: Facebook ist meiner Beobachtung nach gerade dabei, RSS zu beerdigen. Selbst Websites, die es bis heute nicht für nötig empfinden einen Feed anzubieten, syndizieren Aktualisierungen ihrer Websites zunehmend via Facebook.

Aus Sicht der Anwender nur nachvollziehbar, ist es doch der RSS-Technologie nie so wirklich gelungen, die breiten Massen zu erreichen. Und so wird eben Facebook zum News-Syndikator, der mit einem einzigen Klick auf „Like“ die oberflächlichen Vorzüge von RSS in den privaten FB-Stream einbaut. Die Problematik des „Walled Garden“ ist Otto Normaluser dabei reichlich wurst und so erntet Facebook nun die Früchte einer knapp 10 Jahre alten Technologie, die scheinbar kein Anbieter (nicht mal Google) in der Lage war, auf eine Dieter-Kevin-Birgit-Usability runterzubrechen.

Erinnert mich an AOL und Compuserve

Ältere Beiträge