synapsenschnappsen

Ein Zettelkasten

Die unbeliebten Buchhändler

Das Institut für Demoskopie Allensbach veröffentlicht alle drei, vier Jahre die Ergebnisse einer Umfrage, die im Buchhandel regelmäßig zu Schnappatmung führen.

Die Berufsprestige-Skala wird seit 1966 erhoben und seit der ersten Erhebung sind zwei Dinge gleich geblieben: Der Ärtzeberuf führt die Liste an und der Buchhändler schließt sie auf einem der letzten Plätze schwankend ab.

allensbach2011

Bereits bei der Veröffentlichung der letzten Befragung 2008 hatte ich eine Mail an Allensbach geschrieben, mit der Bitte mir zu erklären, was denn der Buchhändler (damals noch auf dem letzten Platz) in einer Liste verloren hat, die überwiegend aus akademischen und sozialen Berufen besteht.

Der Projektleiter Dr. Edgar Piel hatte mit damals erklärt [Kommentar #5], dass das IfD in den 60er Jahren sehr viel Buchmarktforschung für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels betrieben hatte und wahrscheinlich deshalb der “Buchhändler” mit auf die Liste kam. Ein sehr erhellendes Interview mit Piel hat BuchMarkt im April 2008 geführt; dort werden eigentlich alle Missverständnisse aufgeklärt (Nein, es liegt nicht daran, dass die Befragten “Buchhändler” mit “Buchhalter” verwechseln, wie andernorts vermutet wird.)

Es ist natürlich ärgerlich, dass die mediale Wiedergabe des Rankings dies nicht sehr differenziert beurteilt. Dass allerdings das Branchenblatt des Buchhandels, dass bereits 2008 mit der reißerischen Headline “Buchhändler bleibt Schlusslicht” titelte, sich nicht entblödet, dieses Jahr den Triumph über Fernsehmoderatoren, Banker und Politiker abzufeiern, sorgt bei mir für Kopfschütteln.

Fassen wir zusammen:

  • “Buchhändler” ist einer der 18 prestigeträchtigsten Berufe.
  • “Buchhändler” ist neben dem “Unternehmer” (?) der prestigeträchtigste kaufmännische Beruf.
  • “Buchhändler” ist einer der prestigeträchtigsten Berufe, die weder dem sozialen Bereich zugeordnet werden können, noch einen akademischen Abschluss voraussetzen.

Und jetzt erklär mir bitte jemand, was die Handwerker da oben machen!

1 Kommentar

  1. Hallo, Fabian,
    die am Ende des Textes zusammenfassenden Ergebnispunkte zum Berufsprestige „Buchhändler“ sind gut und richtig. Die Frage nach dem Stichwort „Handwerker“ kann ich auch nicht beantworten, da ich nach fast dreißig Jahren seit 2009 nicht mehr als Demoskop arbeite. Dieser Punkt „Handwerker“ und auch die Punkte „Krankenschwester“, „Polizist“ und „Banker“ sind in der sauberen Allensbacher Trendumfrage zum Berufsprestige früher nicht dabei gewesen. Da jede Prozentzahl immer in Relation zu den Items steht, die jeweils zur Auswahl vorliegen, weiß man nach dem Auswechseln von einzelnen Items nicht mehr, ob Zahlenschwankungen in den „klassischen“ Trends auf Veränderungen in der Realität oder auf die Veränderungen auf der Liste zurückzuführen sind. Leider wird das in dem jüngsten Allensbacher Bericht zum Berufsprestige nicht thematisiert. Was die Zahlen für den „Buchhändler“ angeht, gibt es allerdings im Trend keine Zahlenschwankung, und es bleibt richtig, was ich 2008 im Interview erläutert habe.

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