In jüngster Zeit werde ich per Facebook häufiger gefragt, woher ich all die dort geposteten Inhalte ziehe, ob ich 24/7 dort online bin, warum ich den Stream zuspamme oder sonst nichts Besseres zu tun hätte.
Durchaus auch zu meiner eigenen Verteidigung will ich kurz das Informationssystem schildern und ich gebe zu: das ist schon starker Nerd-Stuff, aber noch gar nix dazu, was die echten Social Media Freaks betreiben…
Aufgrund meines Berufs, aufgrund meines Studiums, vor allem aber ehrlich gesagt aufgrund persönlichen Interesses verfolge ich ziemlich viele Websites. Ich kann dies relativ einfach, in dem ich die RSS Feeds diverser Seiten mit dem Google Reader abonniere (aktuell sind das 128 Feeds). Die Feeds habe ich in Ordner nach Wichtigkeit kategorisiert von “must read” bis “manchmal interessant”.
Um ein grassierendes Vorurteil zu entkräften: NEIN, ich lese das nicht alles! Der Google Reader erlaubt mir ein komfortables “Scannen” der Headlines – hört sich die Überschrift interessant an, lese ich per Klick auf die Überschrift den Teaser oder den ersten Absatz. (Und recht häufig wird auch der “mark all as read”-Button gedrückt.)
Halte ich einen Artikel für lesenswert, archivierenswert oder empfehlenswert öffne ich die Originalwebsite. Jetzt sind drei Szenarien denkbar:
- Ich halte den Artikel empfehlenswert für eine “größere” Leserschaft: Artikel wird über Twitter verlinkt
- Ich halte den Artikel empfehlenswert für viele oder einzelne Personen aus meinem Freundeskreis: Der Artikel wird direkt bei Facebook verlinkt
- Ich halte den Artikel in erster Linie für mich selbst archivierenswert: Der Artikel wird in mein Archiv bei dem Social Bookmarking Service diigo verlinkt.
(Es gibt noch die Optionen 4,5 und 6, die etwas mit tumblr, Google Readers Shared Items und Friendfeed zu tun haben; der Einfachheit halber lass ich diese Optionen hier außen vor…)
Behilflich ist mir hierbei ein kleines Browser-Plugin namens Shareaholic, das sich im Browser einnistet und direkte “Share”- Optionen von der Website heraus anbietet, auf der ich mich gerade befinde.
Ein Klick auf den gewählten Dienst erlaubt mir das direkte Posten – inklusive Kommentar, ohne das ich die entsprechende Seite aufgerufen habe.
Shareholic bietet das für unzählige Services; von etwa der Hälfte habe ich im Leben noch nie gehört…:
Etwas anders verfahre ich bei Artikeln, die ich in meinem Social Bookmarking Archiv bei diigo archiviere. Hierzu benutze ich ein eigens dafür zuständiges Add-On, das im Grunde aber ähnlich verfährt:
Hier kann ich nämlich sofort Schlagworte vergeben, einen Kommentar einfügen, einen “Unread”-Haken setzen (was sehr, sehr häufig vorkommt!) und eine lokale Kopie der Site bei diigo speichern. Letzteres ist für mich der Hauptgrund, den eher unbekannten Dienst diigo, statt des sehr viel populäreren Social Bookmarking delicious.com zu nutzen. Viele delicious-Fans scheuen bisher den Wechsel von delicious, das seit der Übernahme durch Yahoo! kaum neue, innovative Features entwickelt hat. Hauptangst ist der Verlust der großartigen Network-Funktion von delicious; die gibt es zwar in diigo auch, müsste aber natürlich neu aufgebaut werden. Diigo macht den schleichenden Wechsel aber einfach: Es gibt die Möglichkeit, sämtliche bei diigo gespeicherten Bookmarks sofort auch an delicious zu senden. Genau dies passiert nun im nächsten Schritt: Sämtliche gespeicherten Bookmarks werden automatisch auch in meinem delicious-Account archiviert. Wer also delicous nicht verlassen will, kann sich den diigo-Schritt getrost sparen.
Der Grund fürs Duplizieren der Bookmarks liegt wiederum an der Popularität von delicious. Im nächsten Schritt sollen nämlich einmal am Tag sämtliche neue Lesezeichen in einem einzelnen Beitrag in mein Blog gepostet werden. Dies halte ich für angenehmer als einen Beitrag pro Bookmark, vor allem da ja die Bookmarks im übernächsten Schritt bei Facebook landen sollen.
Sowohl diigo als auch delicious bitte eine eigene Option an, zu einer zu konfigurierenden Uhrzeit die letzten Beiträge direkt als Beitrag in ein Blog zu publizieren. Beide API-Anwendungen haben jedoch den Nachteil, das sie kaum konfigurierbar sind. Ich habe mich deshalb für ein WordPress-Plug namens Postalicious entschieden aus vor allem zwei Gründen:
- Überschriftstext und einleitender Text ist beliebig konfigurierbar
- Tags, die ich in diigo (bzw. delicious) vergebe, werden automatisch als Tags in WordPress geschrieben.
Der Rest ist jetzt verhältnismässig simpel: Nachdem Postalicious einmal am Tag einen neuen Beitrag in diesem Blog erstellt (sofern neue Bookmarks vorhanden sind) syndiziere ich nun lediglich den RSS Feed dieses Blogs in Facebook.
(Nächstes Mal: Warum der letzte Satz gelogen war und was FriendFeed damit zu tun hat.)
Nach einer – zugegeben – etwas mühseligen Grundeinrichtung hat man damit ein Syndication/Aggregation-System, das automatisch ins Social Bookmarking Archiv, ins Blog und bei Facebook postet. Alles was ich danach noch tue, ist, hin und wieder einen Artikel zu bookmarken…



