Nein, dies gibt nicht die x-te Liste, die sämtliche Twitter Analyse Tools aufzählt.

Ich stelle hier lediglich Tools vor, mit denen ich tatsächlich in der Praxis gute Erfahrungen gemacht habe.

Hauptgrund für die Erstellung dieser Übersicht war, dass ich aufgrund der Namensähnlichkeit der meisten Dienste (Willkommen in der Wortspielhölle!) ständig deren Funktionen verwechsle.

Zu den meisten der genannten Tools gibt es wahrscheinlich fünf weitere Dienste, die das Gleiche können. Letztlich eint all diese Werkzeuge, dass sie die Twitter-API abgreifen und analysieren. Alleinstellungsmerkmale ergeben sich lediglich durch:

  • die Kreativität in der Berechnung von Metriken
  • die Darstellung der Ergebnisse, Charts, Listen, etc.
  • die Zusatzfeatures, wie RSS Feeds, Mail-Alerting, Widgets, etc.
  • die Zusatzinformationen, wie z.B. dem zusätzlichen Abgreifen einer Link-Shortener-API

Einzig die unten genannten Verzeichnisse enthalten einen Mehrwert dadurch, dass man sich aktiv dort eintragen muss. Dies ist für die Analyse nicht unbedingt von Vorteil.

Ich habe mich mit der Ausnahme von Backtweet/Backtype auf Dienste beschränkt, die entweder komplett kostenfrei sind oder bereits in der „Lite“-Version sinnvolle Auswertungsmöglichkeiten bieten. Außerdem verzichte ich auf Dienste, die eine OAuth-Twitter-Authentifizierung benötigen.

User-zentrierte Dienste:

Tweetstats

Analysiert das Twitter-Verhalten eines Accounts:

  • Anzahl der Tweets im Zeitverlauf (Datum, Uhrzeit)
  • Welche User wurden am häufigsten retweetet bzw. zu welchen User gibts es die häufigsten Replies?
  • Textcloud und Hashcloud für Tweets
  • Anzahl der Friends und Follower

Twitter Analyzer

Analysiert das Twitter-Verhalten eines Accounts mit unzähligen Metriken, die in die momentan vier Bereiche ‚User‘, ‚Friends‘, ‚Mentions‘ und ‚Groups‘ eingeordnet sind:

Im Bereich ‚User‘:

  • Welche User wurden am häufigsten retweetet bzw. zu welchen User gibts es die häufigsten Replies?
  • Textcloud und Hashcloud für Tweets
  • Anzahl der Friends und Follower
  • Weitere Analyseeinheiten: Tweets, Chats, Popularity, Reach, Subjects, Hashtags, Links, Apps

Im Bereich ‚Friends‘ wird die Vernetzung durch Followers und Friends analysiert; im Bereich ‚Mentions‘ aktive und passive Erwähnungen; im Bereich ‚Groups‘ die Zugehörigkeit zu Twitter-Listen.

Klout

Analysiert den Einfluss eines Twitter-Users mit Hilfe eines eigenen Score-Wertes.

Der Klout-Score errechnet sich laut Klout aus über 35 Werten, die in drei Kategorien ‚True Reach‘, ‚Amplification‘ und ‚Network‘ zusammengefasst werden. Klout beschreibt diese Kategorien wie folgt:

„True Reach is the size of your engaged audience and is based on the followers and friends who actively listen and react to your messages. Amplification Score is the likelihood that your messages will generate actions (retweets, @messages, likes and comments) and is on a scale of 1 to 100. Network score indicates how influential your engaged audience is, also on a scale of 1 to 100. The Klout score is highly correlated to clicks, comments and retweets.“

Der Klout-Score wird zunehmend ernst genommen. So gibt es bereits Engagement-Tools wie Hootsuite, die den Klout Score in ihrer Anwendung anzeigen. Klout hat Ende 2010 angekündigt, einen Influence-Score für Facebook zu entwickeln.

Lesenswert: 4 Ways Klout Can Evolve [ReadWriteWeb, 22.12.2010]

Twitter Grader

Auch dieser Dienst sammelt die üblich verdächtigen Metriken ein und generiert einen Einfluss-Wert, genannt ‚Grade‘. Dieser setzt sich zusammen aus den Faktoren ‚Number of Followers‘, ‚Power of Followers‘, ‚Updates‘, ‚Update Recency‘, ‚Follower/Following Ratio‘ und ‚Engagement‘ (vgl. hier). Mit Hilfe dieses Grades gibt Twitter Grader vier Top-Listen aus: Top Users, TopWomen, Top Brands und Top Cities.

Content-zentrierte Dienste

Tweetmeme

Tweetmeme analysiert die am häufigsten getwitterten Links und erstellt Top-Listen der gerade „heissesten“ Sites. Dies lässt sich zeitlich kategorisieren (‚most recent‘, ‚Top in 24 Hours‘, ‚Top in 7 days‘), thematisch (‚Comedy‘, ‚Entertainment‘, ‚Gaming‘, ‚Technology‘, etc.) sowie nach Medienart (‚News‘, ‚Images‘, ‚Videos‘).

Interessant: Die Technologie von Tweetmeme lässt sich von Unternehmen einsetzen, um deren Social Media Output zu aggregieren; siehe: Toyota Conversations

Backtweets

Analysiert URLs, die auf Twitter verlinkt wurden. Zeigt nach Eingabe einer URL die dorthin verlinkenden Tweets. Im kostenpflichtigen Pro Account werden auch User-Metriken angezeigt. Dort verspricht Backtweets auch einen Influence Score. Backtweets gehört zu Backtype, die eine ebensolche Referenzanalyse für Facebook, Kommentare, Klicks und Social Bookmarks anbieten. Kostenpflichtig.

Trendistic

Trendistic analysiert Keywords nach dem Zeitverlauf ihrer Erwähnung. Angezeigt wird ein Trendchart und die letzten Tweets die das Keyword enthalten. Die Anzeige des Charts lässt sich über verschieden Zeiträume verändern (24 hours, 7 days, 30 days, 90 days, 180 days). Bei Klick auf einen Tag im Chart werden die Tweets dieses Tages angezeigt. Charts lassen sich statisch und dynamisch auf der eigenen Website einbinden.

twitt(url)y

generiert Listen, der aktuell am häufigsten getwitterten Sites und zeigt die zugehörigen Tweets an. Lässt sich filtern nach Sprache und nach verlinkter Medienart (News, Pics, Videos).

Über ‚Profiles‘ lässt sich recherchieren, welche Twitter-User auf welche Sites verlinkt haben.

Topsy

Topsy ist eine Suchmaschine für bei Twitter verlinkte Sites. Das heisst, das gewünschte Keyword wird nicht nur bei Twitter gesucht, sondern auch in Sites, die über Twitter verlinkt wurden. Die Ergebnisse lassen sich zeitlich und thematisch filtern sowie. In der thematischen Filterung gibt es die Möglichkeit nur in Tweets zu suchen, auf verlinkten Sites zu suchen, lediglich Fotos zu suchen sowie ‚Experts‘ zu durchsuchen. Für diese Expertensuche berechnet Topsy die Twitterer, die das gewünschte Keyword am häufigsten getwittert haben. Eignet sich hervorragend um relevante Twitterer für ein spezielles Keyword zu recherchieren. Sämtliche Results lassen sich als RSS Feed ausgeben.

Über die ‚Trending‘-Funktion lassen sich die aktuell meist getweeteten Sites ausgeben; dies lässt sich nach Sprache filtern.

Wefollow

Wefollow versteht sich als „Die Gelben Seiten“ für Twitter: Jedem (sich selbst anmeldenden?!) Twitter-User werden thematisch bis zu drei Schlagworte zugewiesen (Update: Man muss dies selbst bei der Registrierung tun!) . Durch die Anzahl der Follower wird dann eine Liste der „wichtigsten“ Twitterer pro Schlagwort generiert. In der Twitterer-einzelansicht werden alle vergebenen Schlagworte (plus der jeweilige Rang pro Schlagwort) dieses Twitterers sowie die üblichen Metriken angezeigt. Bei der Suche nach einem Schlagwort werden die Resultate nach „Most Influental‘ und nach ‚Most Followers‘ differenziert; wie Wefollow dies differenziert war für mich nicht ersichtlich.

Ähnlich aber lange nicht so gut: Twellow

Eine Kombination aus User-zentriertem und Content-basierten Dienst ist:

Twazzup

Twazzup ist in erster Linie eine Keyword-Suche. Die Ergebnisseite zeigt allerdings nicht nur gefundene Tweets, Links, News und Bilder an. Zusätzlich werden die Twitterer angezeigt, die das gesuchte Keyword kürzlich häufig benutzt habe. Die Darstellung dieser Profile lässt sich sortieren nach ‚Influencers‘ (Most followers/friends), ‚Most active‘ (Häufigkeit der Nennung des gesuchten Keywords durch den Twitterer) und ‚Latest‘. Somit lassen sich ad hoc Twitterer identifizieren, die eine gewisse Affinität zu einem Keyword haben. Dies gilt es aber mit Vorsicht zu bewerten: Es handel sich dabei um einen Schnappschuss des Augenblicks; erst eine längere Analyse muss zeigen, ob die dargestellten Twitter tatsächlich ein langfristiges Interesse an einem Thema haben. Für die erste Identifikation allerdings ganz gut geeignet. Die Ergebnisseite aktualisiert sich in Echtzeit.